Lokalmatador.de: Lesung mit Helmut Gall

Helmut Galls Vision einer etwas anderen Kirche

Die Stadtbibliothek, bei ihren zahlreichen Lesungsveranstaltungen, ist fast immer dabei sehr gut besucht. Als jetzt ein Abend mit Helmut Gall angekündigt wurde, war das Fassungsvermögen des Hauses weitgehend ausgeschöpft. Was Neu-Philippsburgern zunächst als erstaunlich großes Interesse erschien, klärte sich leicht auf. Der Autor von Buchvorstellung und Lesung war mit Gall ein 1942 geborener Philippsburger, Sohn damals bekannter Geschäftsleute in der Bäckerei Gall, Ministrant beim damaligen Pfarrer Hebbel. Thema des Abends war Galls ungewöhnliche Lebens- und Berufsentwicklung. 1967 war er mit 25 Jahren zum Priester geweiht worden. In seiner Vita heißt es weiter: „1974 Laisierung und Heirat, zwei Kinder.“. So hieß denn auch der Titel von Galls Buch „Mann Gottes, was nun? Der Zölibat -Lebenserfahrungen und Zukunftsperspektiven“, erschienen 2012 im Freiburger Verlag Rombach. Darin schildert er, wie es denen ergeht, die damit nicht leben können. [...]

Link zum vollständigen Artikel bei Lokamatador.de (28.10.2013)

Wo das Herz Badens schlägt: Sonderheft “Freiburg” der Zeitschrift “Badische Heimat”

U1_3_2013_EntwurfArtikel Badische Zeitung vom 26. Oktober 2013
Heimat.
Lange Zeit war dieser Begriff historisch so kontaminiert, ideologisch so besetzt, dass man sich vor lauter politischer Korrektheit von ihm sicherheitshalber distanzierte. Dass der Verein (heute Landesverein) “Badische Heimat”, gegründet im Weltkriegsjahr 1914, über all die Verwerfungen des 20. Jahrhunderts klar an seinem Namen festhielt, erscheint vor diesem Hintergrund keineswegs als selbstverständlich. Gleichwohl: Durch Globalisierung auf der einen, und einem Europa der Regionen auf der anderen Seite erlebt das Denken in den uns umgebenden geographischen, soziologischen und kulturellen Einheiten – vulgo: Heimat – eine zarte Renaissance.

Ein kompliziertes historisches Erbe

Man muss sich das vergegenwärtigen, wenn man die jüngste Ausgabe der vom Landesverein unter seinem Vorsitzenden Sven von Ungern-Sternberg herausgegebenen Zeitschrift “Badische Heimat – Mein Heimatland” vor Augen hält – ein Heft mit dem Themenschwerpunkt “Freiburg”. Der einleitende Aufsatz skizziert nämlich nicht das gängige Bild der Stadt zwischen Bächle-, Schwarzwald- und (solarer) Wohlfühlidylle: Er beginnt mit einem Blick über den Tellerrand oder dem Versuch, die “badische Heimat Freiburg” in einem zukunftsorientierten Kontext zu begreifen. BZ-Redakteur Wulf Rüskamp entwirft in “Die Chance Oberrhein” die – immer noch in Kinderschuhen steckende – Utopie dieser trinationalen Metropolregion vor dem Hintergrund ihres komplizierten historischen Erbes.

Ganz im Sinne des großen Elsässer Literaten und Pazifisten René Schickele, der den Rhein als verbindenden, nicht trennenden Strom in dieser Region sah, sucht er sie weiterzudenken: “Im Mittelpunkt steht nicht mehr, wie früher, die Überwindung der Grenze – das ist gleichsam erledigt.” Rüskamp fordert eine Aktionsgemeinschaft, die sich neue “Arbeitsfelder mit wechselnden regionalen Partnern diesseits und jenseits der Grenzen” erschließt. Ein Postulat, das selbstverständlicher erscheint, als es ist. – Das aktuelle Freiburg-Themenheft, wohlgemerkt das sechste in der Geschichte der Zeitschrift, bietet eine Fülle Lesestoff über Gegenwart und Vergangenheit dieser Stadt an der Schnittstelle zentraler europäischer Hemisphären. Zum Ausdruck kommt der Freiburg nachhaltig prägende Pluralismus des Denkens und Handels in zentralen historischen Beiträgen wie jenem des Historikers Wolfgang Hug über das “vorderösterreichische und badische Erbe” der Stadt, für das der Autor zumal im ersten Fall auf dem Sektor der Kultur eine besonders positive Bilanz zieht.

In die Phalanx der historischen Beiträge reihen sich Abhandlungen zu Jubiläen ein – 900 Jahre Ebnet, Erinnerung an den Bauernaufstand 1513, zehn Jahre “Stolpersteine” in Freiburg; oder Porträts über Persönlichkeiten wie den in Freiburg wirkenden Begründer der Phänomenologie Edmund Husserl (Hans-Helmuth Gander), den von den Nazis schikanierten Philosophen und mit eben jenen “Stolpersteinen” in diesem Jahr in der Lorettostraße geehrten Lehrer Martin Heideggers; oder den linken Zentrumspolitiker und aus Freiburg stammenden Kanzler der Weimarer-Republik Joseph Wirth – Autor ist der Historiker Hugo Ott.

Dem Eindruck einer zeitgeistigen Image-Broschüre entzieht sich das Heft gerade durch solche Essays. Und die Themenauswahl wird auch im Hinblick auf die Gegenwart der Stadt und ihren Besonderheiten gerecht. So ist auch die Badische Zeitung Gegenstand einer Betrachtung, in der der langjährige BZ-Redakteur Bernd Serger hintergründig eine Typologie dieses Blatts und seiner Macher zu entwerfen sucht: eine von vielen Freiburger und gleichermaßen badischen Besonderheiten.

Übrigens: Dass der Freiburger Rombach Verlag die “Badische Heimat”-Hefte seit diesem Jahr in seine verlegerische Obhut genommen hat, ist mehr als eine verlegerische Fußnote. Geschäftsstelle und Verlagsort sind nun an einem Platz vereint; im anatomischen Sinne soll das signalisieren, wo das Herz Badens schlägt. In einem übergeordneteren, kulturpolitischen aber entspricht es einer allfälligen Rehabilitation des Begriffs Heimat, den man wieder als Chance, nicht als Belastung begreift.
– Badische Heimat, Heft 3 – Sonderheft Freiburg, September 2013/93. Jahrgang. Rombach Verlag, Freiburg 2013. 249 Seiten, 11,50 Euro.

Autor: Alexander Dick