Zwischen Stippvisite und Heimsuchung – Besuch aus kulturwissenschaftlicher Sicht

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Man besucht Freunde, Ruinen oder den Zoo. Und man wird besucht. In der modernen Gesellschaft findet der Besuch allerdings nur noch flüchtig und geplant statt. Diesem Phänomen geht die neue Ausgabe des Australischen Jahrbuchs für germanistische Literatur- und Kulturwissenschaft auf den Grund. Die Beiträge des Bandes thematisieren u.a.: die koloniale Begegnung mit dem kulturell Anderen, die grotesken Formen des Besuchs bei Thomas Bernhard oder die musikalischen Grenzgänge im Berlin der Nachwendezeit. Der Begriff Besuch kann auch als Bedrohung konnotiert sein. So im Kompositum der Heimsuchung, das an das Freudʼsche Konzept des Unheimlichen anschließbar ist.

Weitere Informationen zu Limbus: http://artsonline.monash.edu.au/limbus/

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Franz-Josef Deiters/Axel Fliethmann/Birgit Lang/Alison Lewis/Christiane Weller (Hg.)
Limbus – Australisches Jahrbuch für germanistische Literatur- und Kulturwissenschaft
Band 9 (2016): Besuch / Visitation
240 S., Pb., 46,00 € (D)
ISBN 978-3-7930-9855-3

Rezension zu Hans Peter Herrmann: Krisen. Arbeiten zur Universitätsgeschichte 1933-2010. In: Geschichte der Germanistik vom Oktober 2016

Der Literaturwissenschaftler Hans Peter Herrmann wirft in dieser Aufsatzsammlung einen kritischen Blick auf ein besonders dunkles Kapitel der Freiburger Germanistik: die parteipolitische Teilhabe führender Literatur- und Sprachwissenschaftler an der nationalsozialistischen Ideologie. In analytischer Selbstreflexion der Fachgeschichte verdeutlicht er die historische und politische Bedingtheit der universitären Wissensvermittlung. Herrmanns Arbeiten zeigen, so der Rezensent, eindrücklich „die Relevanz kritischer Sondierungen der Fachgeschichte“ auf und zeugen von einer  „substantielle[n] Bereitschaft zum Nachdenken“.

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Missbrauch im katholischen Kinderheim – der Betroffene Clemens Maria Heymkind spricht im SWR Fernsehen über seine Erfahrungen

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Beim Thema Missbrauch von Kindern darf die Gesellschaft nicht wegschauen! Clemens Maria Heymkind ist ein Betroffener. Er wehrt sich gegen Vertuschung und fordert Aufklärung. Über seine schreckliche Kindheit im Heim hat er ein Buch geschrieben. In der SWR Landesschau berichtet er darüber. Den Beitrag können Sie hier abrufen.
 
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Unter Pseudonym schreibt sich der 50-Jährige die schmerzhaften Erlebnisse in einem katholischen Kinderheim von der Seele. Verloren im Niemandsland ist der Bericht eines Betroffenen, der auf Leid und Missstände aufmerksam macht und Aufklärung fordert. Geschätzte 1,2 Millionen Kinder und Jugendliche wurden in deutschen Heimen zwischen 1949 und 1975 Opfer von Gewalt. Auszüge der Jugendamtsakte des Autors geben „Einblicke in die Blindheit eines Fürsorge- und Hilfssystems für das tatsächliche Schicksal der Mündel“, so Jörg M. Fegert, Ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universität Ulm, im Vorwort. Die autobiografische Erzählung macht deutlich, wie schwierig es für die Betroffenen ist, ihre Vergangenheit zu bewältigen. Letztlich gelingt dem Autor der Schritt aus dem Grauen, hinein in ein besseres Leben.

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Rezension zu Dieter H. Kollmer (Hg.): Militärisch-Industrieller Komplex? In: Archiv und Wirtschaft vom September 2016

Der von Dieter H. Kollmer herausgegebene Sammelband liefert spannende Einblicke in die historische Entwicklung der europäischen Rüstungsindustrie. Das Paradigma des Militärisch-Industriellen Komplexes – verstanden als enger Nexus von einflussreicher Rüstungslobby, Militär und Politik – wird dabei als Analyseinstrument im Ländervergleich fruchtbar gemacht. Insbesondere das internationale Spektrum der hochkarätigen Fachautoren mache, so der Rezensent Thomas Seidel, „den besonderen Verdienst des Buches“ aus. Der aus einer Tagung hervorgegangene „interessante[ ] und informative[ ]“ Band stelle in jedem Fall „eine gewinnbringende Lektüre“ zu einem hoch brisanten Themenfeld dar.

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Rezension zu Hans Peter Herrmann: Krisen. Arbeiten zur Universitätsgeschichte 1933-2010 am Beispiel Freiburg i.Br. In: Zeitschrift für Germanistik vom September 2016

Der Freiburger Literaturwissenschaftler Hans Peter Herrmann legt mit diesem Band eine synthetisierte Sammlung seiner Arbeiten zu Universitätsgeschichte und Nationaldiskurs vor. Am Beispiel des ihm vertrauten Freiburger Universitätsbetriebs beleuchtet er vor allem die untergründigen Verstrickungen führender Germanisten mit der nationalsozialistischen Ideologie. Diese sollten die Institution tief und weitreichend in ihrem Selbstverständnis erschüttern. Anhand derartiger kritisch-analytischer „Tiefenbohrungen in die Gründe und Untergründe der Freiburger Germanistik“ werde ersichtlich, so der Rezensent, warum der Band einen „mehrfach[en] Glücksfall“ für die Forschung darstelle. Lobend hält er fest, dass es sich bei Herrmanns Aufsatzsammlung um „ein beeindruckendes Exempel für die Verfahren und Gewinne einer personell zentrierten Wissenschaftsgeschichtsschreibung“ handle.

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Rezension zu Daniel Hilpert: Magnetisches Erzählen. In: Zeitschrift für Germanistik vom September 2016

Daniel Hilpert arbeitet in seiner Studie die diskursiven Einflüsse des naturphilosophischen Paradigmas des Magnetismus auf die Erzählungen E.T.A. Hoffmanns heraus. Dabei wird Magnetismus nicht lediglich als Topos begriffen, sondern als narratives Strukturprinzip, das dem gesamten Œuvre E.T.A. Hoffmanns zugrunde liegt. Der Rezensent Bastian Dewenter lobt die „überzeugend[e]“ und „innovative Studie“. Sie zeige, insbesondere aufgrund von Hilperts profunder Quellenkenntnis zum Magnetismus, „neue spannende und gewinnbringende Einblicke in Hoffmanns Prosa“ auf.

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Rezension zu Philipp Münch: Die Bundeswehr in Afghanistan. In: loyal. Das Magazin für Sicherheitspolitik vom Oktober 2016

Philipp Münch thematisiert in seiner Monographie den bis heute höchst kontrovers diskutierten Bundeswehreinsatz in Afghanistan. Unter Berücksichtigung umfangreichen Quellematerials legt er die politischen Hintergründe und die Logik des operativen Vorgehens der Bundeswehr offen, die stets im Spannungsfeld von Kooperation und Bekämpfung der afghanischen Autoritäten agierte. Der Rezensent greift insbesondere Münchs kritisch-analytischen Blick lobend heraus. Dieser mache das Scheitern des Afghanistan-Einsatzes erklärbar: „Münch wirft der Bundesregierung vor, die verschiedenen soziokulturellen Systeme bei ihren Einsatzplanungen und der Formulierung der Einsatzziele nicht hinreichend berücksichtigt zu haben. Deshalb sei der Einsatz in Afghanistan von Anfang an chancenlos gewesen.”

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Rezension zu Dieter H. Kollmer (Hg.): Militärisch-Industrieller Komplex? In: Das Historisch-Politische Buch vom September 2016

Der Sammelband befasst sich mit der Genese der modernen Rüstungspolitik sowie ihrer vielgestaltigen Konzepte, allen voran der von Eisenhower als Bedrohung der Demokratie eingestufte Militärisch-Industrielle Komplex. Durch seine „multinationale, multiperspektivische und komparatistische“ Ausrichtung vermag der Band, so der Rezensent Markus Henkel,  gar „eine alte Forschungslücke“ zu schließen. „Verdienstvoll und aufschlussreich“ arbeiten die internationalen Fachautoren bspw. den Konnex von nationaler Identität und Rüstungspolitik heraus und legen den Finger auf die nationalspezifisch divergierenden Lösungen der Rüstungsbeschaffung. Der Band markiert somit „einen Wendepunkt, insofern er zu einer Versachlichung der öffentlichen Debatte beizutragen vermag“.

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Rezension zu Rudolf J. Schlaffer / Marina Sandig: Die Bundeswehr 1955-2015. In: Bundeswehrverwaltung vom August 2016

Einen umfassenden Überblick über die Geschichte der Bundeswehr seit 1955 samt ihrer gesellschaftlichen, sicherheitsstrategischen und organisatorischen Implikationen bietet der Band von Rudolf Schlaffer und Marina Sandig. Er sei reichhaltig mit flankierenden Infokästen, Karten und Übersichten ausgestattet, so das Urteil des Rezensenten Dr. Christian Raap. Er resümiert weiter: „Wer sich fundiert über die Geschichte der Bundeswehr […] informieren will, ist mit dieser sehr gut lesbaren, spannenden und reich bebilderten Publikation bestens bedient.“

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