Rezension zu Udo Reinhardt: Arachne und die Liebschaften der Götter. In: Gymnasium, April 2017

Nach zwei umfangreichen Handbüchern zum antiken Mythos untersucht Udo Reinhardt die reizvolle Mythennovelle um die lydische Weberin Arachne aus Ovids Metamorphosen (1‒8 n.Chr.). Neben einer gründlichen Untersuchung von Text und Stoff sowie deren Wirkung in der neueren Kulturtradition beleuchtet Reinhardt auch das Arachnesujet als mythischen Präzedenzfall für Ovids dichterisches Selbstverständnis. Rezensent Peter Riemer betont des Autors Verdienst um den klaren „Nachweis einer mythen- und herrschaftskritischen Haltung des augusteischen Dichters“ und stellt fest, dass Reinhardt dabei „in wesentlichen Punkten […] über den bisherigen Stand der Forschung hinausgekommen ist.“

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Rezension zu Mario Seiler: Uneindeutige Grenzen und die Idee der Ordnung. In: Berichte. Geographie und Landeskunde (Deutsche Akademie für Landeskunde e.V.), Januar 2017

Mario Seilers Promotionsschrift nimmt sich kritisch einer Lücke in der Geschichte der Freiburger Universität an, nämlich der Rolle ihrer Wissenschaftler im Grenzlanddiskurs, insbesondere nach der Annexion Elsass-Lothringens in der NS-Zeit. In seiner ausführlichen Rezension summiert Jörg Stadelbauer diese Publikation als „eine überaus lohnende“ Lektüre. Beeindruckend sei Stadelbauer zufolge „die Weitsicht, mit der Seiler eine Vielzahl von Persönlichkeiten und Organisationen berücksichtigt und ein Netzwerk der Grenzlandarbeit nachzeichnet, das die Diskurse der Zeit aufnahm.“

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Rezension zu Udo Reinhardt: Mythen ‒ Sagen ‒ Märchen. Eine Einführung mit exemplarischen Motivreihen. In: Märchenspiegel 1/2017

„Im Anschluss an sein Mythoshandbuch von 2011 hat Reinhardt“ dem Rezensenten Kurt Franz zufolge „ein weiteres fundiertes ‚Handbuch‘ vorgelegt, das den Blick der traditionellen Erzählforschung stark erweitert und einen unerschöpflichen Fundus für die Praxis und die Fachwissenschaft darstellt.“ Reinhardt spannt den Bogen ausgehend von einem Überblick zu ‚Märchenelementen‘ in antiken Mythen über Amor und Psyche (nach Apuleius) bis hin zu neueren Märchen sowie exemplarischen Motivreihen. Damit bietet die Publikation wissenschaftlichem wie öffentlichem Publikum spannende Einblicke und lädt zur tieferen Auseinandersetzung mit Märchen, Sagen und Mythen ein.

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Rezension zu Thomas Klinkert (Hg.): Migration et identité. In: Germanisch-Romanische Monatsschrift, 2016

Interkulturalität, Migration und Identität(skonstruktion) stecken das Feld ab, auf dem sich unter dem Herausgeber Thomas Klinkert dreizehn deutsch- und französischsprachige Beiträge aus Soziologie und Literaturwissenschaft versammeln. Rezensentin Julia Pröll lobt etwa, dass der Band das kreative Potenzial von Migration in den Vordergrund stelle und damit an aktuelle Forschungen anknüpfe. Denn Migrationsliteratur steht zweifelsohne im Zentrum des Sammelbands, doch mittels der Vielzahl an Themen werden gleichzeitig die Interdependenz von Migration und Identität sowie aus ihr resultierende literarische wie gesellschaftliche Phänomene multidimensional beleuchtet.

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Rezension zu Dieter H. Kollmer (Hg.): Militärisch-industrieller Komplex? In: Historische Zeitschrift, April 2017

Die komplexen Interdependenzen zu Politik und Industrie, welche die Rüstungsgüterbeschaffung ‒
etwa jener für die deutsche Bundeswehr ‒ umgeben, stehen im Brennpunkt der  von Dieter H. Kollmer herausgegebenen
Anthologie. Beiträge von Experten aus sieben Nationen analysieren aus
verschiedenen Perspektiven und im internationalen Vergleich die
unterschiedlichen Ausprägungen der Rüstungsgüterbeschaffung durch die
wichtigsten staatlichen Akteure während des Ost-West Konfliktes. Beispielsweise
sticht das Konzept des Rüstungsinterventionismus in den Ergebnissen dieser
Studie hervor. Entsprechend konstatiert etwa Hendrik Thoß in seiner Rezension,
der Band sei ein „facettenreiche[r] Beitrag zur Reflexion dieses Teils der
Militärgeschichte des 20. Jahrhunderts.“

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Rezension zu Klaus E. Bohnenkamp (Hg.): Hugo von Hofmannsthal Briefwechsel mit Marie von Thurn und Taxis-Hohenlohe 1903-1929. In: Wiener Zeitung, 4./5. Februar 2017

Der von Klaus E. Bohnenkamp herausgegebenen Briefwechsel zwischen Hugo von Hofmannsthal (1874‒1929) und der Fürstin Marie von Thurn und Taxis-Hohenlohe (1855–1934) gibt Einblick in einen sehr persönlichen Dialog, dessen zwei Akteure es verstehen, „in allen Lebenslagen die Form zu wahren“, so der Rezensent Hermann Schlösser, der von Hofmannsthals „konservativer Förmlichkeit“ fasziniert scheint. Die Briefe zwischen dem Dichter und der Mäzenin ermöglichen auch einen Blick auf das Beziehungsgeflecht der geistigen Elite des alten Europas in den kulturell wie politisch brisanten Jahren von der Jahrhundertwende bis weit in die Zwischenkriegszeit.

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Rezension zu Mario Seiler: Uneindeutige Grenzen und die Idee der Ordnung. In: Geschichte am Oberrhein, Februar 2017

Mario Seiler widmet sich in seiner Dissertation einer bisherigen Lücke der Geschichte der Universität Freiburg im Breisgau. Erstmalig beleuchtet diese systematische Studie, wie sich die Universität im Grenzdiskurs im Zuge der Annexion Elsass-Lothringens an das Deutsche Reich „im Sinne des NS-Regimes positionierte – sich somit ›selbstgleichschaltete‹“, wie es Rezensent Jürgen Klöckler formuliert. Aus „reinem Selbsterhaltungstrieb“, so summiert er Seilers Studie, hätte sich das Freiburger Wissenschaftskorps an der nationalsozialistischen Neuordnungs- und Bevölkerungspolitik des ethnisch und kulturell umstrittenen Grenzraumes beteiligt.

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Rezension zu Markus Eisen/Robert Neisen (Hg.): Der Erste Weltkrieg am Oberrhein. In: Geschichte am Oberrhein, Februar 2017

Durch die nahe Vogesenfront zum unmittelbaren Hinterland des Kriegsgeschehens gemacht, ist die Oberrheingegend geradezu prädestiniert, um „eine Mikrogeschichte des Ersten Weltkriegs zu erzählen“, betont Hansmartin Schwarzmeier in seiner Rezension dieses Sammelbandes des Arbeitskreises Regionalgeschichte e.V. Freiburg. Die acht aus einer Vortragsreihe stammenden Beiträge beleuchten aus facettenreichen Blickwinkeln, wie die südbadische bzw. elsässische Region 1914 am Grat zwischen Kriegsbegeisterung und realem Kampfgeschehen balanciert. Dass dabei die Situation der lokalen Bevölkerung ebenso wie die Rolle Basels miteinbezogen wird, erkennt Schwarzmeier als sehr gelungen.

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