Rezension zu Davide Giuriato: »klar und deutlich«. Ästhetik des Kunstlosen im 18./19. Jahrhundert, in: Monatshefte, Juli 2017

Obwohl ›Klarheit‹ und ›Deutlichkeit‹ seit der Aufklärung im Zentrum der Erkenntnistheorie stehen, sind ihre Konturen vage. In seiner Habilitationsschrift »klar und deutlich« legt der Schweizer Literaturwissenschaftler Davide Giuriato »eine ausführliche Rekonstruktion der Begriffe Klarheit und Deutlichkeit und deren immanenter Verbindung mit dem Dunklen und Verworrenen vor«, wie Rezensentin Anne Lepper feststellt.  Dazu analysiert Giuriato diese Konzepte exemplarisch bei Adalbert Stifter sowie Georg Büchner und erkennt sie als eines der Paradigmen moderner Literatur.

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Rezension zu Hausen, Dirk: Der Hornist Franz Strauß. In: Das Orchester, Juli 2017

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Ungeachtet seiner Rolle als Vater und erster Förderer von Richard Strauß verdient Franz Strauß einen ganz eigenständigen Platz in der europäischen Musikgeschichte. Dirk Hausens Dissertationsstudie beleuchtet erstmals umfassend die Biografie dieses brillanten Hornisten. Sein  gesellschaftlicher und musikalischer Aufstieg, den Hausen vor dem Hintergrund der kulturgeschichtlichen Entwicklung Münchens im 19. Jahrhundert untersucht, fasziniert bis heute. Wie Rezensent Thomas Lang hervorhebt, konnte der Autor bisher unveröffentlichte Quellen einsehen, unter anderem Briefe von Franz Strauß an seine Kinder, sodass »ein in allen Bereichen überzeugendes, differenziertes Porträt dieses im Umgang nicht einfachen Künstlers« entstanden ist.

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Rezension zu Jörg Martin Merz: Guernica oder Picassos »Abscheu vor der militärischen Kaste«. In: Süddeutsche Zeitung, 22.06.2017

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Picassos Guernica hat keinen Bezug zu dem Bombenangriff auf die gleichnamige Stadt, so das Fazit der Forschungen von Jörg Martin Merz. 1937 wurde die baskische Stadt von einer deutschen Luftwaffeneinheit bombardiert. Das schreckliche Ereignis soll Pablo Picasso zu Guernica angeregt haben – soweit die seit Jahrzehnten verfestigte Ansicht. Picasso habe sich diesbezüglich nie geäußert, noch lassen die Darstellung selbst und die Entstehungsumstände darauf schließen, dass der Luftangriff auf den Künstler und sein Werk einwirkte. Auf dem Hintergrund dieser Erkenntnisse betrachtet Rezensent Reinhard Brembeck das Kunstwerk in der gerade laufenden Picasso-Ausstellung in Spanien. „Mit Merz’ Interpretation im Kopf kann man “Guernica” in Madrid ganz neu kennenlernen“, so Brembeck. Inwiefern lässt sich hier nachlesen.

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Jörg Martin Merz
Guernica oder Picassos »Abscheu vor der militärischen Kaste«
Quellen zur Kunst, Band 35
88 S., zahlr. Abbildungen, geb., € 18,00
ISBN 978-3-7930-9879-9

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Rezension zu Hillesheim, Jürgen: Die Wanderung ins »nunc stans«. Wilhelm Müllers und Franz Schuberts Die Winterreise. In: Augsburger Allgemeine, Juni 2017

Im Zentrum von Hillesheims Monographie steht mit der Winterreise, welche der Zusammenarbeit von Wilhelm Müller und Franz Schubert entstammt, einer der bedeutendsten Lyrik- bzw. Liederzyklen des 19. Jahrhunderts. Dabei positioniert Jürgen Hillesheim das Werk ‒ »energisch und überzeugend«, wie es Rezensent Stefan Dosch formuliert ‒  erstmals im Kontext jener damaligen pessimistischen bzw. fatalistischen Weltsichten, die uns etwa auch in den Werken Arthur Schopenhauers und Georg Büchners begegnen. Denn wie Stefan Dosch resümiert, sieht Hillesheim »die einsame Reise des lyrischen Wanderer-Ichs« als Folge der grundsätzlichen »›existenziellen Fremdheit‹ des Menschen«.

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Rezension zu Badische Heimat (Hg.): »Solange die Welt steht, ist soviel Blut nicht geflossen«. Feldpostbriefe badischer Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg 1914 bis 1918. In: Militärgeschichte, Juni 2017

Von Marcel Kellner und Knud Neuhoff für diesen Band der Schriftenreihe der Badischen Heimat ausgewählt, eröffnen 523 Kriegsbriefe und Auszüge eines Tagebuchs den heutigen Lesern einen Einblick in das Seelenleben der Kriegsgeneration. Damit leistet der Band, gleichsam als ›Geschichte von unten‹ wirkend, einen wertvollen Beitrag zur Dokumentation und Aufarbeitung des Ersten Weltkrieges. Denn diese »Egodokumente« geben »100 Jahre nach ihrem Entstehen vom Leben und Sterben, von der Banalität des soldatischen Alltags ebenso Zeugnis wie von nervenzerreißenden Belastungsproben der badischen Soldaten im Kamp«, so Rezensent Thorsten Loch.

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Rezension zu Udo Reinhardt: Arachne und die Liebschaften der Götter. In: Gymnasium, April 2017

Nach zwei umfangreichen Handbüchern zum antiken Mythos untersucht Udo Reinhardt die reizvolle Mythennovelle um die lydische Weberin Arachne aus Ovids Metamorphosen (1‒8 n.Chr.). Neben einer gründlichen Untersuchung von Text und Stoff sowie deren Wirkung in der neueren Kulturtradition beleuchtet Reinhardt auch das Arachnesujet als mythischen Präzedenzfall für Ovids dichterisches Selbstverständnis. Rezensent Peter Riemer betont des Autors Verdienst um den klaren „Nachweis einer mythen- und herrschaftskritischen Haltung des augusteischen Dichters“ und stellt fest, dass Reinhardt dabei „in wesentlichen Punkten […] über den bisherigen Stand der Forschung hinausgekommen ist.“

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Rezension zu Mario Seiler: Uneindeutige Grenzen und die Idee der Ordnung. In: Berichte. Geographie und Landeskunde (Deutsche Akademie für Landeskunde e.V.), Januar 2017

Mario Seilers Promotionsschrift nimmt sich kritisch einer Lücke in der Geschichte der Freiburger Universität an, nämlich der Rolle ihrer Wissenschaftler im Grenzlanddiskurs, insbesondere nach der Annexion Elsass-Lothringens in der NS-Zeit. In seiner ausführlichen Rezension summiert Jörg Stadelbauer diese Publikation als „eine überaus lohnende“ Lektüre. Beeindruckend sei Stadelbauer zufolge „die Weitsicht, mit der Seiler eine Vielzahl von Persönlichkeiten und Organisationen berücksichtigt und ein Netzwerk der Grenzlandarbeit nachzeichnet, das die Diskurse der Zeit aufnahm.“

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Rezension zu Udo Reinhardt: Mythen ‒ Sagen ‒ Märchen. Eine Einführung mit exemplarischen Motivreihen. In: Märchenspiegel 1/2017

„Im Anschluss an sein Mythoshandbuch von 2011 hat Reinhardt“ dem Rezensenten Kurt Franz zufolge „ein weiteres fundiertes ‚Handbuch‘ vorgelegt, das den Blick der traditionellen Erzählforschung stark erweitert und einen unerschöpflichen Fundus für die Praxis und die Fachwissenschaft darstellt.“ Reinhardt spannt den Bogen ausgehend von einem Überblick zu ‚Märchenelementen‘ in antiken Mythen über Amor und Psyche (nach Apuleius) bis hin zu neueren Märchen sowie exemplarischen Motivreihen. Damit bietet die Publikation wissenschaftlichem wie öffentlichem Publikum spannende Einblicke und lädt zur tieferen Auseinandersetzung mit Märchen, Sagen und Mythen ein.

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Rezension zu Thomas Klinkert (Hg.): Migration et identité. In: Germanisch-Romanische Monatsschrift, 2016

Interkulturalität, Migration und Identität(skonstruktion) stecken das Feld ab, auf dem sich unter dem Herausgeber Thomas Klinkert dreizehn deutsch- und französischsprachige Beiträge aus Soziologie und Literaturwissenschaft versammeln. Rezensentin Julia Pröll lobt etwa, dass der Band das kreative Potenzial von Migration in den Vordergrund stelle und damit an aktuelle Forschungen anknüpfe. Denn Migrationsliteratur steht zweifelsohne im Zentrum des Sammelbands, doch mittels der Vielzahl an Themen werden gleichzeitig die Interdependenz von Migration und Identität sowie aus ihr resultierende literarische wie gesellschaftliche Phänomene multidimensional beleuchtet.

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Rezension zu Dieter H. Kollmer (Hg.): Militärisch-industrieller Komplex? In: Historische Zeitschrift, April 2017

Die komplexen Interdependenzen zu Politik und Industrie, welche die Rüstungsgüterbeschaffung ‒
etwa jener für die deutsche Bundeswehr ‒ umgeben, stehen im Brennpunkt der  von Dieter H. Kollmer herausgegebenen
Anthologie. Beiträge von Experten aus sieben Nationen analysieren aus
verschiedenen Perspektiven und im internationalen Vergleich die
unterschiedlichen Ausprägungen der Rüstungsgüterbeschaffung durch die
wichtigsten staatlichen Akteure während des Ost-West Konfliktes. Beispielsweise
sticht das Konzept des Rüstungsinterventionismus in den Ergebnissen dieser
Studie hervor. Entsprechend konstatiert etwa Hendrik Thoß in seiner Rezension,
der Band sei ein „facettenreiche[r] Beitrag zur Reflexion dieses Teils der
Militärgeschichte des 20. Jahrhunderts.“

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