Rombach Verlag trauert um seinen Autor und Herausgeber Gerhard Neumann

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Mit Gerhard Neumann verliert unser Verlag einen seiner wichtigsten Autoren und Herausgeber überhaupt. Er hat den Verlag über Jahrzehnte geprägt.
 

Gerhard Neumann (c) Michael Bramberger

Gerhard Neumann
(c) Michael Bramberger

Gerhard Neumann wurde 1934 in Brünn geboren. Er studierte Germanistik und Romanistik an den Universitäten Freiburg, Wien und Paris. 1963 wurde er mit einer Arbeit über Torquato Tasso promoviert, die Habilitation (Ideenparadiese) folgte 1972. Neumann war Professor für neuere deutsche Literaturwissenschaft an den Universitäten Bonn, Erlangen und Freiburg; seit 1986 bis zur Emeritierung 2002 war er Ordinarius an der Universität München. 2008 verlegte er seinen Lebensmittelpunkt von München nach Berlin, wo er 2005 zum Honorarprofessor an der Freien Universität Berlin ernannt wurde.
Neumann zählte zu den renommiertesten Literaturwissenschaftlern der Nachkriegszeit. Im Freiburger Rombach Verlag gab er seit 1987 die Wissenschaftsreihe litterae heraus. Die Publikationen der Reihe bieten ein Forum für Beiträge der Kulturwissenschaften, die den interdisziplinären Blick schärfen, der Neumann so wichtig war. Seit 1993 war Neumann zudem Herausgeber des Hofmannsthal-Jahrbuches, das Erscheinen der aktuellen Ausgabe durfte er noch erleben. Gerhard Neumann verstarb am 27. Dezember 2017 in Berlin.

Rezension zu Gerhard Neumann u.a. (Hg.): Hofmannsthal-Jahrbuch (23). In: Freiburger Universitätsblätter vom September 2016

Als renommiertes Sprachrohr der Hofmannsthal-Forschung versammelt das Jahrbuch erneut bisher unpublizierte Briefwechsel sowie Forschungsbeiträge zur europäischen Moderne. Der Rezensent Hartmut Cellbrot greift besonders den Aufsatz von Gabriele Brandstetter lobend heraus. Sie beschäftigt sich mit Harry Graf Kesslers Idee eines Gesamtkunstwerks als Verbindung von Körperkunst und Leben bei der Tanzgruppe Ballets Russes. Daneben werden in der Rezension die kommentierten Briefeditionen „als hervorstechendste[r] Verdienst des Hofmannsthal-Jahrbuchs“ gewürdigt, die ein „äußerst perspektivenreiches Epochentableau entstehen“ lassen.

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Zusätzliche Informationen zum Buch gibt es hier.

 

Buch und Bau: Erzählen am Leitfaden der Architektur

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Verschlungene Korridore, unübersichtliche Zimmerfolgen: In diesem Wirrwarr wacht Josef K. auf. Der Raum verbildlicht die intransparenten Machtstrukturen, denen der Protagonist im Roman Der Prozeß ausgeliefert ist. Dies ist ein Fallbeispiel aus dem neuen Buch Lebens- und Liebesarchitekturen. Der von Gerhard Neumann und Julia Weber herausgegebene Sammelband thematisiert die Perspektive der Architektur für die Literaturwissenschaft. Es werden die Verschränkungen zwischen Bautechniken und narrativen Subjektentwürfen in literarischen Texten erkundet. Worauf es dabei ankommt, „ist die poetische Gestaltung und Organisation der Räume, in denen Leben und Liebe, soziales und erotisches Geschehen stattfinden, sich verwirklichen, gelingen oder aber scheitern“, so die Herausgeber.
Die Beiträge reichen von der französischen Aufklärung über die russische Moderne bis zur deutschen Gegenwartsliteratur und diskutieren verschiedene Formen der Raumorganisation, die zur Darstellung von sozialem Leben und Kommunikation dienen.

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Gerhard Neumann / Julia Weber (Hg.)
Lebens- und Liebesarchitekturen
Erzählen am Leitfaden der Architektur
Reihe Litterae, Band 218
416 S., zahlr. s/w Abb., geb., 78,00 € (D)
ISBN 978-3-7930-9845-4