Rezension zu Marquard: Das Lamm in Tigerklauen. Christian Friedrich Henrici alias Picander und das Libretto der Matthäus-Passion, in: Hessisches Pfarrblatt, 04/2018

Reiner Marquard beschäftigt sich in seinem Werk Das Lamm in Tigerklauen mit Bachs Matthäus-Passion und dem Dichter des Librettos, Christian Friedrich Henrici alias Picander, der für rhetorische und theologische Ungereimtheiten heftig kritisiert wurde. Marquard stellt in seiner Analyse fest, dass Henricis Libretto entgegen der heftigen Kritik eine verlässliche Grundlage für Bachs Passionsmusik dargestellt hat. Rezensent Michael Heymel schätzt das Anliegen des Autors: Der Versuch einer Rehabilitierung Henricis sei »aller Ehren wert«. Die Analyse Marquards helfe »die Glaubenstradition zu verstehen, aus der Text und Musik der Großen Passion entstanden« sind. »Damit regt sie neu zum Nachdenken an«, lobt Heymel.

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Rezension zu Anna-Lena Scholz: Kleist/Kafka. Diskursgeschichte einer Konstellation, in: Monatshefte, 01/2018

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Anna-Lena Scholz widmet sich in ihrer Studie Kleist/Kafka. Diskursgeschichte einer Konstellation jenen beiden Autoren, die im literaturwissenschaftlichen und philosophischen Diskurs der Moderne als Lichtgestalten gelten. Die Autorenkonstellation Heinrich von Kleist und Franz Kafka gilt als besonders faszinierend vor allem in Bezug auf jene Lektüren, die thematischen, ästhetischen und politischen Einfluss auf die Literaturwissenschaft und Philosophie des 20. Jahrhunderts gewonnen haben. »Scholz’ Arbeit leistet hier fraglos einen diskussionswürdigen Beitrag zur Fachgeschichte« resümiert Rezensent Andreas Härter. Die »kenntnis- und materialreiche Arbeit« trage »unzweifelhafte Verdienste in der systematischen Erschließung der Konstellation Kleist/Kafka«. Der Bogen sei weit gespannt und die Darstellung stets angemessen.

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Rezension zu Escher/Theilig: Germania Slavica – Die slawische Geschichte Brandenburgs und Berlins, in: Berliner Geschichte. Zeitschrift für Geschichte und Kultur, 07/2018

Das Begleitheft zur Ausstellung Germania Slavica, die von Mai bis Juli 2016 im Spandauer Rathaus stattgefunden hat, zeichnet die slawische Geschichte Brandenburgs und Berlins nach. Rezensent Mathias C. Tank tituliert das Begleitheft als »exzellente Publikation«, die nicht langweile, sondern neugierig mache. Er lobt die Herausgeber für ihre »detailreiche, bestens verständliche Beschreibung des derzeitigen wissenschaftlichen Forschungsstandes«. Sie hätten es geschafft, die historischen Hintergründe der Germania Slavica wissenschaftlich fundiert und unkompliziert aufzubereiten.

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Von den Dingen in der Literatur

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Dinge in Texten haben an der Konstruktion imaginärer Welten teil. Sie kommen in der Heldenepik ebenso wie in Aphorismen, im Mittelalter wie in der Moderne vor. Sie treiben Handlungen voran und stören oder zerstören Ordnungen. Im Gegensatz zur Ethnologie oder Museologie hat es die Literaturwissenschaft stets mit Zeichen zu tun – es stellt sich also die Frage, wie das Verhältnis von res und verba analysiert und beschrieben werden kann.
Der Band versammelt Beiträge, die sich, von der antiken Rhetorik über mittelalterliche Literatur bis hin zum 20. Jahrhundert, mit Dingen in und neben Texten beschäftigen. Darin findet sich so Unterschiedliches wie Steine, Treppen, Schwerter, ein Schweißtuch oder eine aus dem Rhein gefischte Skulptur.

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Martina Wernli/Alexander Kling (Hg.)
Das Verhältnis von res und verba
Zu den Narrativen der Dinge

Reihe Litterae Band 231
360 S., 8 Abb., geb., € 64,00 (D)
ISBN 978-3-7930-9904-8

Herausgeber:
Martina Wernli hat Germanistik, Philosophie und Englische Literaturwissenschaft studiert und wurde mit einer Arbeit über das Schreiben in einer psychiatrischen Klinik um 1900 promoviert. Sie forscht zurzeit an der Universität Neuchâtel.
Alexander Kling hat Neuere deutsche Literatur, Germanistische Linguistik und Allgemeine Pädagogik studiert und ist Mitarbeiter an der Universität Bonn. Seine kultur- und literaturgeschichtlich ausgerichtete Dissertation gilt der Wolfsausrottung im 17. und 18. Jahrhundert.

Rezension zu v. Arburg / Tremp / Zimmermann (Hg.): Physiognomisches Schreiben, in: Monatshefte, 8.10.2017

In der Nachfolge Lavaters hat sich die Physiognomik vorwiegend für den Zusammenhang von äußerem Erscheinungsbild und innerer Verfasstheit interessiert. Die Bedeutung des Textes als Analyseinstrument für die physiognomische Gestaltdeutung wurde dabei vernachlässigt. Der Band Physiognomisches Schreiben schließt diese Lücke und erforscht die Rolle des Schreibens, der Schrift und ihrer medialen Vermittlung in verschiedenen theoretischen, historischen und künstlerischen Konstellationen aus der Geschichte der neueren Physiognomik. An exemplarischen Texten werden dabei rhetorische, stilistische und poetische Techniken zutage gefördert, mit welchen Schreibende auf die Herausforderung deutungsbedürftiger Körperbilder reagieren. Maik M. Müller hat den Band für das Rezensionsforum literaturkritik.de besprochen, sein Fazit: „Insgesamt präsentiert der Band ein anspruchsvolles theoretisches Setting zwischen Diskurs- und Medientheorie im weiteren Umfeld der Literature and Science Studies mit ihrem Interesse an Austauschprozessen zwischen ästhetischen und szientifischen Wissensformen.“

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Rombach-Autorin Angela Gencarelli auf der Shortlist für den Opus Primum Förderpreis 2017

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Angela Gencarelli hat es mit ihrer Arbeit Literarische Realitätsprüfungen des Phantastischen auf die Shortlist für den Opus Primum Förderpreis der VolkswagenStiftung geschafft. Der mit 10 000 Euro dotierte Preis wird im November für die beste wissenschaftliche Nachwuchspublikation des Jahres vergeben. Die Bekanntgabe des Gewinners bzw. der Gewinnerin erfolgt nach der Frankfurter Buchmesse. Der Rombach Verlag drückt seiner Autorin die Daumen.

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Zur Pressemeldung der Volkswagen Stiftung.

Rezension zu Davide Giuriato: »klar und deutlich«. Ästhetik des Kunstlosen im 18./19. Jahrhundert, in: Monatshefte, Juli 2017

Obwohl ›Klarheit‹ und ›Deutlichkeit‹ seit der Aufklärung im Zentrum der Erkenntnistheorie stehen, sind ihre Konturen vage. In seiner Habilitationsschrift »klar und deutlich« legt der Schweizer Literaturwissenschaftler Davide Giuriato »eine ausführliche Rekonstruktion der Begriffe Klarheit und Deutlichkeit und deren immanenter Verbindung mit dem Dunklen und Verworrenen vor«, wie Rezensentin Anne Lepper feststellt.  Dazu analysiert Giuriato diese Konzepte exemplarisch bei Adalbert Stifter sowie Georg Büchner und erkennt sie als eines der Paradigmen moderner Literatur.

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Rezension zu Hillesheim, Jürgen: Die Wanderung ins »nunc stans«. Wilhelm Müllers und Franz Schuberts Die Winterreise. In: Augsburger Allgemeine, Juni 2017

Im Zentrum von Hillesheims Monographie steht mit der Winterreise, welche der Zusammenarbeit von Wilhelm Müller und Franz Schubert entstammt, einer der bedeutendsten Lyrik- bzw. Liederzyklen des 19. Jahrhunderts. Dabei positioniert Jürgen Hillesheim das Werk ‒ »energisch und überzeugend«, wie es Rezensent Stefan Dosch formuliert ‒  erstmals im Kontext jener damaligen pessimistischen bzw. fatalistischen Weltsichten, die uns etwa auch in den Werken Arthur Schopenhauers und Georg Büchners begegnen. Denn wie Stefan Dosch resümiert, sieht Hillesheim »die einsame Reise des lyrischen Wanderer-Ichs« als Folge der grundsätzlichen »›existenziellen Fremdheit‹ des Menschen«.

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Rezension zu Udo Reinhardt: Arachne und die Liebschaften der Götter. In: Gymnasium, April 2017

Nach zwei umfangreichen Handbüchern zum antiken Mythos untersucht Udo Reinhardt die reizvolle Mythennovelle um die lydische Weberin Arachne aus Ovids Metamorphosen (1‒8 n.Chr.). Neben einer gründlichen Untersuchung von Text und Stoff sowie deren Wirkung in der neueren Kulturtradition beleuchtet Reinhardt auch das Arachnesujet als mythischen Präzedenzfall für Ovids dichterisches Selbstverständnis. Rezensent Peter Riemer betont des Autors Verdienst um den klaren „Nachweis einer mythen- und herrschaftskritischen Haltung des augusteischen Dichters“ und stellt fest, dass Reinhardt dabei „in wesentlichen Punkten […] über den bisherigen Stand der Forschung hinausgekommen ist.“

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