Gerhard Neumann und Paul Celan –
vom Scheitern der Zeitzeugenschaft

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»Eine Begegnung, die im Desaster endete«, lässt den Literaturwissenschaftler Gerhard Neumann zeitlebens nicht los. In seiner am 22. August 2018 posthum erscheinenden Autobiografie Selbstversuch erzählt er erstmals über die »Begegnung mit Paul Celan und das Verstehenwollen« des Dichters.
Neumann lernt Celan in 1967 in Paris kennen und trifft ihn später einige Male in Freiburg. 1970 kommt es zum Zerwürfnis: Celan fühlt sich durchs Neumanns Aufsatz über die absolute Metapher völlig missverstanden. Drei Jahre zuvor war es Neumann, der Paul Celan und Martin Heidegger zu dessen berühmter Berghütte nach Todtnauberg fuhr. Das Gedicht Todtnauberg greift die denkwürdige Begegnung mit Heidegger auf. Neumann kommt darin die Rolle des Zeitzeugen zu: »der uns fährt, der Mensch, der’s mit anhört«. Diese Rolle habe Neumann verfehlt. Warum? Antworten sucht er im Erzählen seines Lebens. Ein Leben, das durch Literatur und Sprache bestimmt ist.

Gerhard Neumann (c) Michael Bramberger

Gerhard Neumann
(c) Michael Bramberger

GERHARD NEUMANN (1934–2017), Studium der Germanistik und Romanistik. Professuren an den Universitäten Bonn, Erlangen, Freiburg i.Br., München, seit 2002 emeritiert, seit 2005 Honorarprofessor an der Freien Universität Berlin. Zahlreiche Veröffentlichungen u.a. zu Lichtenberg, Goethe, Kleist, Fontane und Kafka, zur Poetik, Methodik, Kultur- und Editionswissenschaft. Mitherausgeber der historisch-kritischen Kafka-Ausgabe und des Hofmannsthal-Jahrbuchs zur europäischen Moderne. 

 

 

 

US_Neumann_U1_400Gerhard Neumann
Selbstversuch
386 S., zahlr. Abb., Pb., 58,– €
ISBN 978-3-7930-9901-7

Das Buch erscheint am 22.08.2018.

Rückzugsorte bei Stifter, Raabe und Fontane

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Germanist Carsten Rast legt mit seiner Studie Zeitoasen einen neuen Forschungsband vor. Technische und gesellschaftliche Entwicklungen sorgen im 19. Jahrhundert für Beschleunigung und Wandel. Stabilität wird zunehmend durch kurzfristige Stabilisierungen ersetzt. Hierauf reagieren Texte von Adalbert Stifter, Wilhelm Raabe und Theodor Fontane mit »Zeitoasen«. Die Begriffsneubildung hebt die Eigentümlichkeit ihrer Rückzugsorte zwischen Statisch-Festgelegtem und Dynamisch-Bewegtem hervor. Literarische Verlangsamungstechniken wie das »Zoomen«, ausgedehnte Beschreibungen oder zyklische Wiederholungen sollen diesen zusätzlich Stabilität verleihen. Zeitoasen stehen so einerseits für eine konservative Fortschrittskritik. Andererseits verdeutlichen sie Probleme der anbrechenden Moderne zwischen Regulation und Störung, Ruhe und Unruhe.

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Carsten Rast
Zeitoasen
Literarische Verlangsamung im Realismus bei Stifter, Raabe und Fontane
Reihe Litterae, Band 232, 400 S., geb., 60,– €
ISBN 978-3-7930-9910-9 

Balladenechos – die skandinavische Volksweise im kulturellen Gedächtins

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Elfentanz, Wassermann, Werwolf: Motive, Figuren und Narrative der seit dem Mittelalter tradierten Volksballaden haben bis heute einen hohen Bekanntheitsgrad in den nordischen Ländern. Die acht Beiträge in dem Band Balladenechos untersuchen ihre Präsenz und ihre Funktion im kulturellen Gedächtnis Skandinaviens. Besonders betont werden die mediale Vielfalt und die fortdauernde kreative Aktualisierung der Adaptionen.

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Annegret Heitmann / Philipp Martin (Hg.)
Balladenechos
Die skandinavische folkevise im kulturellen Gedächtnis
Nordica, Band 24
180 S., 3 s/w. Abb., Pb.,36,– €
ISBN 978-3-7930-9907-9

Rezension zu Vedder/Hohendahl: Herausforderungen des Realismus, in: literaturkritik, 29.05.2018

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Der von Ulrike Vedder und Peter Uwe Hohendahl herausgegebene Band Herausforderungen des Realismus erforscht die Produktivität der jüngeren Forschung für neue Lektüren von Theodor Fontane. Dazu laden Fontanes geschichtsträchtige Gesellschaftsromane besonders ein: mit ihren vielfältigen Wahrnehmungs- und Beobachtungsparadigmen, ihrer Dramaturgie der Dinge und ihrem Zusammenspiel von Medialität und Materialität. Thematisiert werden sämtliche Gesellschaftsromane von Vor dem Sturm (1878) bis zum Stechlin (1899).

Rezensentin Natalie Moser nennt den Band verdienstvoll, denn er biete »sowohl neue Interpretationsansätze hinsichtlich der Primärtexte als auch der Ausprägung von Fontanes Realismus«. Er könne im Hinblick auf Fontanes Gesellschaftsprosa »eine Art von Vorarbeit für das 2019 erscheinende neue Fontane-Handbuch darstellen«.  2019 ist der 200. Geburtstag von Theodor Fontane.

Die vollständige Rezension gibt es hier auf www.literaturkritik.de

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Von den Dingen in der Literatur

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Dinge in Texten haben an der Konstruktion imaginärer Welten teil. Sie kommen in der Heldenepik ebenso wie in Aphorismen, im Mittelalter wie in der Moderne vor. Sie treiben Handlungen voran und stören oder zerstören Ordnungen. Im Gegensatz zur Ethnologie oder Museologie hat es die Literaturwissenschaft stets mit Zeichen zu tun – es stellt sich also die Frage, wie das Verhältnis von res und verba analysiert und beschrieben werden kann.
Der Band versammelt Beiträge, die sich, von der antiken Rhetorik über mittelalterliche Literatur bis hin zum 20. Jahrhundert, mit Dingen in und neben Texten beschäftigen. Darin findet sich so Unterschiedliches wie Steine, Treppen, Schwerter, ein Schweißtuch oder eine aus dem Rhein gefischte Skulptur.

Leseprobe.

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Martina Wernli/Alexander Kling (Hg.)
Das Verhältnis von res und verba
Zu den Narrativen der Dinge

Reihe Litterae Band 231
360 S., 8 Abb., geb., € 64,00 (D)
ISBN 978-3-7930-9904-8

Herausgeber:
Martina Wernli hat Germanistik, Philosophie und Englische Literaturwissenschaft studiert und wurde mit einer Arbeit über das Schreiben in einer psychiatrischen Klinik um 1900 promoviert. Sie forscht zurzeit an der Universität Neuchâtel.
Alexander Kling hat Neuere deutsche Literatur, Germanistische Linguistik und Allgemeine Pädagogik studiert und ist Mitarbeiter an der Universität Bonn. Seine kultur- und literaturgeschichtlich ausgerichtete Dissertation gilt der Wolfsausrottung im 17. und 18. Jahrhundert.

Rezension zu Angela Gencarelli: Literarische Realitätsprüfung des Phantastischen. Teilchenphysik und Poetik in Irmtraud Morgners Prosa, in: Wirkendes Wort, 03/2017 (November)

Rezensentin Gabriela Scherer empfiehlt jenen Lesern die Lektüre von Angela Gencarellis Monographie Literarische Realitätsprüfung, denen „Überraschungen im Wissenschaftsbetrieb Lust auf Lesen machen“. Dürrenmatts Kenntnis von Physik ist bekannt und viel erforscht. Irmtraud Morgners Wissensstand in dieser Sparte rücke hingegen erst Gencarelli mit ihrer Studie ins wissenschaftliche Licht. Sie zeige, welche „deutlichen Spuren“ die anhaltende Auseinandersetzung Morgners mit der Physik im ihrem Prosawerk hinterließ.

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Rezension zu Lubkoll / Ohlschläger: Schreibszenen, in: Kleist-Jahrbuch 2017, 01/2018

Der Sammelband fokussiert unter den systematischen Gesichtspunkten »Kulturpraxis«, »Poetologie«, »Theatralität« an ausgewählten Beispielen die Schreibszene als eine Kontaktzone zwischen Autor, Schrift und Text.
Die Beiträge bestätigen eindrucksvoll „die Aussagekraft des von Campe und anderen geprägten Begriffes der Schreibszene für eine Literaturwissenschaft, die sich zugleich als Analyse kultureller und sozialer Praktiken versteht“, unterstreicht Achim Geisenhanslüke in einer Rezension. Dem Begriff Schreibszene gelänge die „Öffnung eines Raums, in dem Sprachkritik, Technologie und Körperlichkeit der Schrift gleichermaßen zum Ausdruck kommen“, so Geisenhanslüke weiter.

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Christine Lubkoll / Claudia Öhlschläger (Hg.)
Schreibszenen
Kulturpraxis – Poetologie – Theatralität
Reihe Litterae, Band 213
402 S., 30 s/w Abb., geb., 68,- €
ISBN 978-3-7930-9825-6

Rezension zu Grabbe / Grabbe / Haitzinger (Hg.): Chor-Figuren, in: Zeitschrift für Theaterpädagogik, 01/2018

Rezensent Florian Vaßen konstatiert, dass der Band insgesamt verschiedenartige, innovative und lesenswerte Arbeiten beinhalte. Die Gewichtung der Themen sieht er allerdings kritisch: Mit drei Beiträgen zu Friedrich Schillers Auseinandersetzung mit dem Chor sei dieser zu sehr hervorgeben. Dagegen wäre die Wiederbelebung des Chors im 20. Jahrhundert unterrepräsentiert.

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Julia Bodenburg/Katharina Grabbe/Nicole Haitzinger (Hg.)
Chor-Figuren
Transdisziplinäre Beiträge
Reihe Paradeigmata Band 30
262 S., 7 s/w Abb., Pb. , 48,- €
ISBN 978-3-7930-9837-9

Rezension zu Roland Borgards u.a. (Hg.): Robinsons Tiere, in: literaturkritik.de, 06.02.2018

Bei Daniel Defoes Robinson Crusoe und den nachfolgenden Robinsonaden stand das abendländisch-neuzeitliche Subjekt im Fokus der Interpretationen. Die meisten dieser Deutungen haben die Tiere vergessen oder verstehen diese nur als marginale Figuren. Genau an diesem Versäumnis setzt der Band Robinsons Tiere an. Rezensentin Vera Zimmermann betont, dass die von den Herausgebern lancierte Lesart gegen den Strich eines anthropozentrischen und eurozentrischen Sinngefüges „geschickt anhand der Analyse eines Frontispiz zu einer französischen Ausgabe von Defoes Roman aus dem Jahr 1840 hergeleitet wird.“ Sie vermisst hingegen, dass der intermediale Ansatz in den Aufsätzen nur ansatzweise realisiert wird, etwa „wenn etwa Ulrike Stamm die Rolle der Tiere in Hugo von Hofmannsthals Filmskript Daniel De Foe diskutiert“.

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Roland Borgards / Marc Klesse / Alexander Kling (Hg.)
Robinsons Tiere
cultural animal studies, Band 1
334 S., zahlr. Abb., Pb., 46,00 € (D)
ISBN 978-3-7930-9822-5